eSIM – Der Nachfolger zur SIM-Karte

eSIM – Der Nachfolger zur SIM-Karte


Im Oktober 2014 brachte Apple das erste iPad mit integrierter SIM-Karte auf den Markt. Den ersten Mobilfunkanbietern schlottern die Knie, für den Verbraucher soll die eSIM viele Vorteile besitzen: Vernetzung unterschiedlichster Geräte, Tarif-, Anbieter- und Netzwechsel sollen dank der Embedded SIM vereinfacht werden.

Vor gut 25 Jahren kam es zur ersten Revolution auf dem Mobilfunkmarkt, als noch Nokia und nicht Apple oder Samsung den Handymarkt beherrschte und die SIM-Karten noch etwa die Ausmaße einer Scheckkarte hatten. Seither hat sich viel getan und die SIM-Karten wurden immer kleiner. In diesem Jahr soll mit der Embedded SIM (kurz: eSIM) diese Entwicklung fortgeführt werden, wenn die ersten Smartphones und Tablets mit integrierter SIM-Karte an den Start gehen. Die Zeit der wechselbaren SIM-Karten neigt sich ihrem Ende entgegen.

Neue Möglichkeiten



Die Embedded SIM-Karten werden im Bereich der M2M (Maschine zu Maschine-Kommunikation) bereits seit Jahren genutzt. Sie weisen die gleiche Funktionalität auf, wie die wechselbaren Micro-, Mini- oder Nano-SIM-Karten. Die Hersteller von internetfähigen Geräten vertreten die Meinung, dass fest verbaute programmierbare SIM-Karten die Flexibilität in puncto des Gerätedesigns steigern können und gewährleisten dabei gleichzeitig bessere Vertriebsmöglichkeiten. So könnte der Zugang zu neuen Märkten erleichtert werden. Die Embedded SIMs finden allerdings nicht nur in Smartphones und Tablets Einsatz, sondern auch in Laptops, Fitness-Trackern, Smartwatches, Fahrrädern, Kameras, Haushaltsgeräten, Autos und sogar in Kleidungsstücken.

Bild: Deutsche Telekom

Vor- und Nachteile

Der Wechsel von Anbieter, Tarifen oder dem Netz soll sich für Verbraucher dank der eSIM viel leichter gestalten, als es bisher der Fall war. Die Verbraucher können dann ohne Umwege vom Smartphone aus zwischen diversen Angeboten wählen, eventuell über einen direkten Anbieter-Vergleich. Außerdem können mehrere Profile via eSIM verwaltet und neu programmiert werden, was vorteilhaft sein kann, wenn man im Urlaub beispielsweise auf die Dienste eines lokalen Prepaid-Anbieters zurückgreifen will, um die hohen Roaming-Gebühren zu umgehen. Kritiker sehen aber in dieser zentralen Verwaltung auch den größten Nachteil der neuen Embedded SIM, denn durch die Kopplung an bestimmte Geräte und deren Hersteller könnte die freie Tarifwahl zukünftig verloren gehen, da die Hersteller der Hardware auch als Hüter der Gerätesoftware auftreten und so definieren können, welche Mobilfunkanbieter und welche Tarife ein Verbraucher auswählen kann. Wie das Thema Roaming-Gebühren aber schon gezeigt hat, kann diese zentrale Verwaltung über eine SIM-Karte auch sehr vorteilhaft sein. 

Schnell, einfach, sicher

Hat sich der Nutzer dann erst einmal für einen neuen Handy-Vertrag entschieden, muss keine neue SIM-Karte im richtigen Format des Einschubes von Tablet oder Smartphone gekauft oder per Post geordert werden, sondern einfach nur der integrierte Chip der Embedded SIM neu programmiert werden. Vorteil der eSIM: Die neue Programmierung kann auch spontan erfolgen, beispielsweise während eines Auslandsaufenthalts (Roaming-Kosten) und der Verbraucher muss nicht erst eine winzige Karte kaufen und zusammenschneiden oder darauf warten, dass seine SIM-Karte endlich im Briefkasten liegt, sondern kann sofort loslegen. Ändern lässt sich die Programmierung ganz leicht via QR-Codes, welche einfach nur mit der Kamera des Smartphones oder Tablets abfotografiert werden müssen. Außerdem soll die im Gerät befindliche und somit unzugängliche SIM-Karte gleichermaßen Schutz und Sicherheit bieten, wie normale SIM-KArten. Die Mobilfunkanbieter werden bei der Datenübertragung zwischen Unternehmensservern und den jeweiligen Endgeräten auf eine asynchrone Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzen, wodurch ein Endgerät nur das ihm zugewiesene eSIM-Profil entschlüsseln kann.

Intelligente Vernetzung

Da Experten damit rechnen, dass bis zum Jahr 2020 jeder Deutsche im Schnitt zehn Geräte besitzen wird, die mobil mit dem Internet verbunden werden können, ist es denkbar, dass gleich mehrere mobilfunkfähige Geräte einfach und bequem unter einem Vertrag genutzt werden können. Das Highlight an der Sache ist, dass nach erstmaliger Aktivierung bei einem beliebigen Anbieter ein eSIM-Profil im Netz angelegt wird. Mit diesem Profil können sich dann andere Geräte (z.B. Tablets, Smartwatches  oder Fitness-Tracker) via Funkverbindung mit dem Internet verbinden lassen. Diese gesamte Entwicklung der intelligent vernetzten Hightech-Geräte könnte die eSIM beschleunigen, wird sie doch Experten zufolge dazu beitragen, dass immer mehr Geräte und Wearables internetfähig werden. In diesem Zusammenhang muss auch das „Internet der Dinge“ erwähnt werden, denn durch den Einsatz von immer kleineren Chips könnten wir zukünftig sogar mit unserer Kleidung online gehen.

Gerangel am Markt

Überraschend für die Experten des Fachportals kam die Tatsache, dass auch die Telekom sehr offensiv an das Thema eSIM herangeht. Überraschend daher, da der Mobilfunkbetreiber mit seinen Millionen Kundenverträgen viel zu verlieren habe, wenn die Betreiber- und Netzwahl derart einfach und schnell erledigt ist. Daher versucht der Mobilfunkriese, wie auch andere Anbieter wie O2 und Vodafone, lieber selbst Einfluss auf die künftige Gestaltung der Embedded SIM zu nehmen.

Jedoch gibt es noch einige Unklarheiten in Sachen eSIM-Standards zu klären. Die Platzhirsche Apple und Samsung verhandeln gerade über einen einheitlichen eSIM-Standard, welcher die Profilverwaltung auf der Embedded SIM festlegen soll. Beide Anbieter wollen ihre eSIM durchsetzen. Dieser Standard muss noch endgültig festgelegt werden, da ansonsten die Kompatibilität zum Beispiel bei einem Betreiberwechsel momentan noch nicht garantiert werden kann. 



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